Neues interdisziplinäres Forschungsprogramm am MedAustron

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MedAustron / Foto: MedAustron
Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer Eugen B. Hug, Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schneeberger und Koordinator der nichtklinischen Forschung Thomas Schreiner im Forschungs-Bestrahlungsraum bei MedAustronFoto: MedAustron

Wiener Neustadt: neue Forschungsperiode am Niederösterreichischen Teilchenbeschleuniger

Interdisziplinäre und integrative Forschung, die Physik, Biologie, Computer- und Medizinwissenschaften verbindet, hat von Beginn an einen fixen Platz bei MedAustron und wird mit Partnerinstitutionen seit langem erfolgreich betrieben.

Für die kommenden drei Jahre gibt nun ein neues Forschungsprogramm die Richtung vor und baut dabei auf bisher Geschaffenes auf.

Medizin und Forschung

Die Teilchenbeschleunigeranlage im Wiener Neustädter Zentrum MedAustron wird einerseits zur Behandlung von Krebspatientinnen genutzt und steht andererseits Wissenschaftlerinnen aus unterschiedlichen Bereichen zur Verfügung. Diese sind überwiegend an der Medizinischen Universität Wien, Technischen Universität Wien, Fachhochschule Wiener Neustadt, Medizinischen Universität Graz und dem Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beheimatet und haben in der abgelaufenen Forschungsperiode (2019 – 2021) 54 Publikationen veröffentlicht, 59 Abschlussarbeiten verfasst und Förderungen für 10 Projekte lukriert. Neue Funktionalitäten aufseiten des Beschleunigers konnten in dieser Zeit für die Forschungsarbeit erschlossen werden, zwei neue Professuren etabliert und die Partnerschaft mit der benachbarten Fachhochschule intensiviert werden.

In der neuen, dreijährigen Forschungsperiode werden sich die Forschenden in ihrer Arbeit vier Schwerpunkten widmen: »Angewandte Teilchen- und Medizinphysik«, »Biophysik und molekulare Strahlenbiologie«, »Beschleunigerphysik« sowie »Technische Innovationen und klinische Umsetzung«. Nach der Aufbauarbeit der vergangenen Jahre wird nun der translationale Charakter der Forschung noch stärker sichtbar werden, wodurch sich auch die internationale Strahlkraft erhöht. Die aktuellen Fragestellungen des klinischen Betriebs können dadurch noch besser berücksichtigt werden.

“Ein weltweit sichtbares Strahlentherapiezentrum”

A.o.Univ.-Prof. Dr. Martin Polaschek, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung meint dazu: „Mit MedAustron hat Österreich ein weltweit sichtbares Strahlentherapiezentrum sowie eine Forschungsanlage mit breitem Anwendungsspektrum und attraktiven Forschungsmöglichkeiten. Das Wissenschaftsministerium hat wesentlich zu diesem Leuchtturmprojekt in Niederösterreich beigetragen. Daher freut es mich, dass die abgelaufene Forschungsperiode erfolgreich verlaufen ist, alle Beteiligten diese großartige Chance genutzt haben und mit einem fundierten Programm in die Zukunft schauen.“

MedAustron Aufsichtsratsvorsitzender Mag. Klaus Schneeberger ergänzt: „MedAustron ist seit 2016 ein fixer Bestandteil sowohl der Krebstherapie- als auch der Forschungslandkarte Niederösterreichs und ein österreichweit einzigartiges Zentrum mit internationaler Strahlkraft. Die Themen und Projekte, denen sich die Forschenden im neuen Programm widmen, bilden die Basis für die verbesserte Therapie von morgen. Ich freue mich, dass wir auch durch die Kooperation mit dem Bund ideale Rahmenbedingungen für die Wissenschaft bei MedAustron schaffen konnten.“

Während manche Projekte die Basis für künftige Forschungsvorhaben bilden, wie zum Beispiel Performancesteigerungen des Teilchenbeschleunigers, die Entwicklung eines Strahlmonitors gemeinsam mit Kolleginnen des HEPHY, oder die Vorbereitung auf die Verwendung von Helium-Ionen, agieren andere bereits nahe an einer klinischen Anwendung. So wird beispielsweise die Behandlung von Augentumoren in liegender Position weltweit erstmals bei MedAustron zur Anwendung gebracht werden. Das dafür notwendige System aus Hard- und Softwarekomponenten ist in Zusammenarbeit von MedAustron-Klinikerinnen mit den Forscher*innen entwickelt worden. Gänzlich neue Möglichkeiten werden außerdem in-vivo Experimente eröffnen, die in der neuen Periode erstmals vorgesehen sind.

„Das Besondere bei MedAustron ist, dass die Forschung sich nicht nur auf klinische Studien im Rahmen unserer Tätigkeit als Behandlungszentrum beschränkt, sondern dass wir auch die Möglichkeit haben, im Austausch mit den Wissenschaftlerinnen der verschiedenen Universitäten und Institute zahlreiche Aspekte der Therapiemethode zu verbessern. Ich freue mich auf die Errungenschaften, die wir aus der neuen Forschungsperiode zum Wohl der Patientinnen erwarten dürfen“, meint Prof. Dr. Eugen B. Hug, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer von MedAustron.

Die Zeit am Teilchenbeschleuniger ist rar

Auch über die bewährten Partner hinaus steigt das Interesse an der wissenschaftlichen Nutzung der MedAustron-Anlage stetig. So gibt es beispielsweise Pläne, Bestrahlungstests für elektronische Komponenten für die Raumfahrt durchzuführen. Derartige Geräte sind im Weltall naturgemäß höherer kosmischer Strahlung ausgesetzt, was ihre Funktionalität erheblich beeinflusst. Ein unabhängiges Gremium beurteilt eingereichte Projekte wie dieses und stellt sicher, dass die knappe Ressource, nämlich Zeit am Teilchenbeschleuniger, unter allen interessierten Gruppen verteilt wird.

Dessen Vorsitzender Prof. Dr. Richard Pötter meint zur bevorstehenden Periode: “Mit dem Forschungsprogramm für die kommenden drei Jahre werden einerseits die einzelnen Forschungsschwerpunkte in vier übergeordnete Bereiche zusammengefasst und andererseits steht den Wissenschaftler*innen für ihre Projekte mehr Strahlzeit zur Verfügung. Ich bin überzeugt, dass dadurch die nationale und internationale Sichtbarkeit der Forschungsaktivitäten bei MedAustron noch verstärkt
werden wird.”

Medaustron / Foto: NLK Pfeiffer

In Wiener Neustadt wurde der 1.000 Krebspatient behandelt

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