Wie­ner Neu­stadt er­lässt Bau­sper­re für ge­sam­tes Stadt­ge­biet

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Bekanntmachung Bausperre Wiener Neustadt / Foto: Stadt Wiener Neustadt/Weller
Stadt-Baudirektor Manfred Korzil, Stadtrat Franz Dinhobl, Bürgermeister Klaus Schneeberger und Robert Schweighofer, Leiter der StadtentwicklungFoto: Stadt Wiener Neustadt/Weller

Schnee­ber­ger und Din­hobl: „Ge­ord­ne­tes Wachs­tum un­ter Wah­rung der Grün­räu­me!“

Der Gemeinderat der Stadt Wiener Neustadt wird in seiner Sitzung am 18. Februar einen wesentlichen Beschluss zur Sicherung wertvoller Grünräume und im Sinne zukunftsgewandter Stadtentwicklung fassen.

Wie Bürgermeister Klaus Schneeberger und Baustadtrat Franz Dinhobl in einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt gaben, wird ab sofort eine Bausperre für das gesamte Stadtgebiet gelten. Die Sperre gilt für alle Bauprojekte mit mehr als 10 Wohneinheiten; Ausnahmen gibt es nur für jene Projekte, die vom Fachbeirat der Stadt ausdrücklich empfohlen werden.

Sperre für Bauprojekte mit mehr als 10 Wohneinheiten

„Wiener Neustadt hat sich mit dem Stadtentwicklungsprozess STEP WN2030 das Ziel gesetzt, eine städteplanerische Richtschnur für mindestens 10 Jahre zu erarbeiten. Wir wollen damit Verbauungstendenzen entgegenwirken und die Stadtentwicklung auf eine breite, fundierte Basis stellen. Unter Einbindung der Bevölkerung und externer Experten sind uns hier bereits einige wichtige Punkte gelungen, die wir bis zum Ende des Prozesses weiterführen werden. Um all diese Ziele, Vorhaben und Planungen nicht zu gefährden bzw. zu konterkarieren, ist es jedoch notwendig, Neubauten bis zum Beschluss des neuen Stadtentwicklungsplanes grundsätzlich zu verunmöglichen. Vor diesem Hintergrund ist die Erlassung dieser Bausperre unumgänglich und ein ganz wesentlicher Schritt. Wir schaffen damit die Voraussetzungen für ein geordnetes Wachstum unter Wahrung der so wichtigen Grünräume“, so Bürgermeister Klaus Schneeberger zur Bausperre.

Baustadtrat Dinhobl: „großvolumige Bauvorhaben steuern“

Der zuständige Baustadtrat Franz Dinhobl ergänzt: „Schon bislang war der Fachbeirat ein wichtiges vorberatendes Gremium bei großen Bauvorhaben. Mit der neuen Bausperre bis zum Ende des STEP WN2030 geben wir dem Beirat ein weiteres Werkzeug in die Hand, um großvolumige Bauvorhaben auch zu steuern, wenn sie den Intentionen der Stadt Wiener Neustadt und den Zielen des STEP widersprechen. So stellen wir sicher, dass während des STEP keine Schritte passieren, die eine professionelle Stadtentwicklung verhindern. Klar ist, dass sowohl bereits laufende und eingereichte Bauvorhaben ganz normal weiterlaufen, als auch, dass der Fachbeirat Projekte in Ausnahmefällen empfehlen kann.“

Windbüchler: „Ich bin sehr überrascht“

„Ich bin sehr überrascht über diesen Vorstoß, eine großflächige Bausperre zu verhängen, da erst letzte Woche der Ausschuss tagte und dort kein Wort diesbezüglich gefallen ist. Auch die Steuerungsgruppe des STEP WN2030 wurde nicht informiert oder zu Rate gezogen. So oder so ist zu sagen, dass der großvolumige Wohnbau in der Innenstadt floriert und auch einige Projekte vor kurzem fertiggestellt wurden oder in der Pipeline sind, die alle von der ÖVP honoriert sind. Dazu gehören die geplanten Wohnprojekte am Areal des alten Stadions oder am Areal des Traude Dierdorf Stadtheimes. Aus Grüner Sicht ist jetzt notwendig die Vorschläge der ÖVP zu prüfen und zu erfahren, welche Flächen konkret in diese Bausperre fallen würden. Baumschutz und Grünlandschutz bedeutet diese Bausperre jedoch nicht. Wir Grüne erwarten uns eine umfassende Baumschutzverordnung!“, so die Grüne Gemeinderätin Tanja Windbüchler-Souschill.

Der Stadtentwicklungsplan

Im STEP WN2030 sollen innerstädtische Grün- und Freiräume mit ihren Funktionen umfassend ausgewiesen werden. Diese Flächen werden in ihrer Funktionsfähigkeit geschützt und in ihrer Qualität verbessert. Ziel ist es, zukünftige Entwicklungen nach dem Grundsatz „Innen- vor Außenentwicklung“ abzuhandeln und kaum Neuausweisungen von Baulandflächen außerhalb des bebauten Gebietes vorzunehmen. Dies wurde bereits in den letzten Jahren so gehandhabt und soll in Zukunft verstärkt werden.

Um mit den Ressourcen schonend umzugehen, setzt der STEP WN2030 auf eine differenzierte Strategie, die der qualitätsvollen Innenentwicklung den klaren Vorrang einräumt. Durch Festlegen von Siedlungsgrenzen sichert die Stadt darüber hinaus wertvolle Grünräume und konzentriert sich auf Qualitätsverbesserungen innerhalb der bebauten Stadt.

Der Fachbeirat

Der Fachbeirat zur Entwicklung und Planung von Wohn- und Gewerbeobjekten in Wiener Neustadt wurde 2016 gegründet und soll die geplanten Bauvorhaben hinsichtlich eines ausgewogenen Verhältnisses mit der Struktur und Gestaltungscharakteristik bestehender Bauwerke im Bezugsbereich beurteilen. Dabei ist auf die dort festgelegten Widmungsarten sowie auf die Charakteristik der Landschaft, soweit sie wegen des Standortes des geplanten Bauwerks in den Bezugsbereich einzubeziehen ist, Bedacht zu nehmen.

Der Fachbeirat beleuchtet also nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen, sondern auch das Umfeld des geplanten Projektes in seiner Gesamtheit, um bereits vor der Einreichung bestimmte Faktoren abzustimmen bzw. Probleme erst gar nicht entstehen zu lassen. Er tagt unter dem Vorsitz von Baustadtrat Franz Dinhobl und setzt sich aus Vertretern des Magistrats (Baudirektor, Stadtentwicklung, Verkehr), sowie aus einem externen Vertreter vom Gebietsbauamt zusammen.

Die Grünflächen der Stadt

Das Stadtgebiet von Wiener Neustadt weist gemäß der Flächenbilanz von 2018 zum Glück einen sehr großen Anteil von Grünflächen auf:

  • Gesamtfläche der Stadt: 61 Quadratkilometer
  • davon als Grünland gewidmet: 36,4 Quadratkilometer
  • Bauland: 13,3 Quadratkilometer
  • Verkehrsflächen: 11,3 Quadratkilometer

„Für eine nachhaltige, vorausschauende Stadtentwicklung in den nächsten Jahren wurde der derzeit laufende Stadtentwicklungsprozess STEP WN2030 ins Leben gerufen. Die Stadt Wiener Neustadt setzt mit der Erarbeitung des STEP WN 2030 definitiv die richtigen Schritte, damit auch jene, vom Umweltbundesamt kürzlich skizzierten, Szenarien einer Verbauung der Stadt nicht eintreten. Die Erlassung dieser Bausperre für den großvolumigen Wohnbau, mit der schon jetzt ein Beitrag zur Sicherstellung der Umsetzung der Ziele des Stadtentwicklungsplanes geleistet wird, ist ein weiterer ganz wesentlicher Schritt in diese Richtung“, sind Bürgermeister Schneeberger und Stadtrat Dinhobl abschließend überzeugt.