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Wiener Neustadt: Zwei neue Stolpersteine als Zeichen des Erinnerns

Insgesamt bereits 129 Stolpersteine in der Stadt

Neue Stolpersteine / Foto: Stadt Wiener Neustadt/Maurer
Stadtarchiv-Leiter Gerhard Geissl, Cäcilia, Gemeinderat Martin Steinbrecher, Eliana, Bürgermeister Klaus Schneeberger, Initiatorin Sandra Gottwald, Zweiter Vizebürgermeister und Stadtrat für Denkmalschutz LAbg. Rainer Spenger, Marco, Anton Blaha (Verein Aktion Mitmensch), Lorenz und Werner SulzgruberFoto: Stadt Wiener Neustadt/Maurer

Die Stadt Wiener Neustadt hat im Jahr 2025 das Projekt „Stolpersteine für Wiener Neustadt“ von dem Verein „Aktion Mitmensch“ mit Dr. Anton Blaha und Max Huber übernommen. Von 2010 bis zur Übernahme wurden seitens des Vereins für 127 Opfer des Nationalsozialismus Stolpersteine an 58 Standorten verlegt.

Auf Initiative von Sandra Gottwald gibt es seit Kurzem zwei neue Stolpersteine in der Deutschgasse 8, die den Opfern Rosa und Marie Mandl gewidmet sind. Die Verlegung erhielt durch einen Kurzvortrag von Dr. Werner Sulzgruber sowie Lesungen zu den Persönlichkeiten durch Schülerinnen und Schüler des BRG Gröhrmühlgasse einen würdigen Rahmen.

„Sie begegnen uns im Alltag“

„Stolpersteine sind keine großen Denkmäler, die man bewusst aufsucht – sie begegnen uns im Alltag, leise und unaufdringlich. Und genau darin liegt ihre Kraft: Sie holen die Vergangenheit zurück auf unsere Straßen, vor unsere Häuser, in unser Leben. 129 Stolpersteine sind in Wiener Neustadt zu finden und jeder einzelne Stein steht für einen Menschen mit einem Namen, einer Geschichte und einem Leben. Durch sie werden wir erinnert, dass hinter jeder Zahl ein Schicksal steht. Und dass es an uns liegt, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten, sie nicht zu vergessen und dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt“, so Bürgermeister Klaus Schneeberger und Zweiter Vizebürgermeister LAbg. Rainer Spenger.

Bei dem Projekt „Stolpersteine für Wiener Neustadt“ handelt es sich um eine lokale Umsetzung des europäischen Kunstprojektes des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und sind in der Regel vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz des Opfers verlegt. Das 1996 gestartete Projekt zählt mittlerweile über 100.000 Steine in 31 Staaten Europas.

Rosa und Marie Mandl

Die Familie von Samuel Mandl stammte aus Westungarn und Niederösterreich. Samuel, 1889 in Mattersdorf geboren, kam 1919 nach Wiener Neustadt und baute dort einen erfolgreichen Weinhandel in der Deutschgasse 8 auf, wo sie auch lebten. 1922 holte er seine Frau Marie und die Töchter Hedwig, Rosa, Grete und Gertrude nach, später wurden Erwin, Helma und Erika geboren. Die strenggläubige Familie war fest in der jüdischen Gemeinde verankert, Samuel engagierte sich auch in leitender Funktion. Nach dem „Anschluss“ 1938 änderte sich ihr Leben: Die Kinder wurden aus der Schule ausgeschlossen, der Betrieb „arisiert“ und Samuel inhaftiert. Während der Novemberpogrome wurde die Familie misshandelt, vertrieben und enteignet. Mittellos versuchten sie, Österreich zu verlassen.

Mit Hilfe jüdischer Organisationen gelang einigen Kindern die Flucht: Sohn Erwin, Grete und Gertrude sowie Vater Samuel konnten nach Palästina ausreisen, Helma nach Dänemark. Marie blieb zunächst zurück, um alle Kinder in Sicherheit zu wissen. Schließlich versuchte sie 1939 mit Rosa und Erika über den sogenannten Kladovo-Transport zu fliehen. Die Reise scheiterte jedoch, und die Flüchtlinge mussten unter schweren Bedingungen in Serbien ausharren. Nur wenigen gelang die Weiterreise, darunter Erika. Marie und Rosa mussten zurückbleiben. Nach der Besetzung Jugoslawiens 1941 wurden die verbliebenen Flüchtlinge in das Internierungslager nach Šabac gebracht und mussten dort Zwangsarbeit leisten. Nach einem Partisanenüberfall Anfang Oktober 1941 wurde der Großteil der Flüchtlinge im Lager Šabac oder im KZ Zasavica hingerichtet. Marie und Rosa Mandl waren unter den Ermordeten. Auch die älteste Tochter Hedwig wurde in der Shoah ermordet. Sie hatte nach Ungarn geheiratet (verheiratete Steiner) und war – zu diesem Zeitpunkt schwanger – mit ihren beiden Kindern deportiert und ermordet worden.

Die Biografie der Familie Mandl sowie weitere rund 50 Familienbiografien wurden von Dr. Werner Sulzgruber erforscht und in seinem Buch „Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale“ veröffentlicht.

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