Bei einem Lokalaugenschein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtarchivs und Denkmalschutzes der Stadt Wiener Neustadt zeigten sich an der Meridian- oder auch Liesganigsäule an der Ecke Neunkirchner Straße/Kammanngasse deutliche Anzeichen von Verwitterung. Im Zuge dessen wurde sie komplett gereinigt, die Steinelemente neu verfugt, eine Schlämme aufgebracht sowie die Vergoldung des Äquatorringes und die Schrift erneuert.
Die Säule wurde als Zeichen der Wertschätzung für Josef Liesganigs Vermessungsarbeit erbaut, entworfen von Fürst Wenzel Anton von Kaunitz.
„Schon ziemlich in die Jahre gekommen“
„Über die letzten Jahre haben wir die Geschichte zahlreicher Denkmäler unserer Stadt mit einer Restaurierung oder Sanierung aufrechterhalten, auch 2026 gehen wir diesen Weg weiter. Eins der letzten großen Projekte vergangenes Jahr, war die Restaurierung der Meridiansäule, die schon ziemlich in die Jahre gekommen war. Nach den umfangreichen Arbeiten erstrahlt sie nun in neuem Glanz und macht Josef Liesganig, für den die Säule erbaut wurde, wieder alle Ehre“, so der für Denkmalpflege zuständige Stadtrat, Zweiter Vizebürgermeister LAbg. Rainer Spenger.
Die Geschichte der Meridiansäule
Im Jahr 1759 beauftragte Maria Theresia den Mathematiker und Astronomen Joseph Liesganig eine Messung im Wiener Meridian durchzuführen. Das Triangulierungsnetz sollte ein Segment von Brünn (Tschechien) im Norden über Wien bis Varazdin (Kroatien) im Süden umspannen. Ein offizieller Hauptgrund für die Vermessung war, einen Beitrag zur Wissenschaft und Kenntnis der Erdfigur zu leisten. Doch es gab viel bedeutendere Gründe: Das Militär bemängelte das schlechte geografische Kartenmaterial, was im Siebenjährigen Krieg zu strategischen Nachteilen für das österreichische Heer führte. Ebenso war eine faire Besteuerung der Grundbesitzer nicht möglich. Das zwischen 1762 und 1766 durchgeführte Triangulierungsprojekt von Josef Liesganig gilt heute als Beginn der österreichischen Landesvermessung.
Um sozusagen einen Referenzmaßstab für seine Vermessung zu besitzen, musste Liesganig eine Basisstrecke, beziehungsweise eine Grundlinie ermitteln. Am Steinfeld zwischen Wiener Neustadt und Neunkirchen fand er ein weitgehend ebenes Gelände vor. Im November 1762 maß er mit Gehilfen die Strecke drei Mal und errechnete den Mittelwert. Das Ergebnis waren 6410,903 Wiener Klafter bzw. 12.158, 175 Meter. Die Reichsstraße verlief vor den Arbeiten Liesganigs von Wiener Neustadt über Breitenau nach Neunkirchen. Schließlich nutzte die Regierung die Messschneise und baute eine Straße mit dem heute bekannten schnurgeraden Verlauf (die Neunkirchner Allee). Am Anfangs- und Endpunkt der Basisvermessung wurden entsprechende Markierungen gesetzt.
Das barocke Denkmal lässt eine dreiachsige Gliederung erkennen und besteht aus einer Sockelzone, einem volutierten, geschwungenem Mittelteil mit lateinischer Inschrift. Im Übergang zum Oberteil der Säule befindet sich eine Kartusche mit kaiserlichem Doppeladler. Das Monument wird von einem Globus mit Äquator- und Meridianring bekrönt. Diese Weltkugel ist wohl ein Hinweis auf den wissenschaftlichen Gehalt der Messung, die über den bloßen Zweck, Grundlagen für bessere Karten zu schaffen, hinausging.
Im Fußteil befindet sich eine Marmortafel, die eine Übersetzung der lateinischen Inschrift enthält: „Auf Geheiß und mit Förderung der Majestäten Franz und Maria Theresia maß Joseph Liesganig S. J. drei Grade des Wiener Meridianbogens und errichtete diese Säule am nördlichen Endpunkt der Grundlinie im Jahre 1762“. Die Meridiansäule ziert eine österreichische Briefmarke aus dem Jahr 1967.











