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Wiener Neustadt: ein Theaterfestival im Zeichen der »Courage«

Das Wortwiege Festival 2025 startet im Februar mit neuem Programm

Dieser Artikel wurde vor 1 Jahr veröffentlicht. (Letztes Update vor: 1 Jahr)

wortwiege Programmpräsentation / Foto: Julia Kampichler
Die Regisseurinnen Azelia Opak und Ira Süssenbach, Bürgermeister Klaus Schneeberger und die künstlerische Leiterin der "Wortwiege", Anna Luca KrassniggFoto: Julia Kampichler

»Courage« lautet das Motto des kommenden Wortwiege Festivals für Theaterformen in den Kasematten Wiener Neustadt. Dem Dialog, der Bühnenfantasie und dem Formenreichtum des Theaters verschrieben, zeigt die Wortwiege vom 26. Februar bis 30. März 2025 die Neuentdeckung von Qualtinger/Merz´ „Alles gerettet!“, Hugo von Hofmannsthals „Elektra“, die neue Schiene „PLAY!“ mit vier aufregenden Stoffen und ebensolchen zeitgenössischen TheatermacherInnen, die thematisch vertiefenden öffentlichen „Salons“ sowie eine Sonderausgabe der Theaterserie REDEN!

„Courage, dieses alte Wort, ist wieder im Gespräch, ziert Artikel, prangt auf Fassaden. Ernsthaft, ironisch, pathetisch, aufmüpfig. Lasst uns in den unterschiedlichsten Theaterformen davon erzählen: Es gibt viel und guten Bühnenstoff! Er führt uns klar vor Augen, dass feine Errungenschaften, wie Demokratie, Frieden, Selbstachtung, ja: Menschliche Kommunikation, die den Namen verdient, mit ihr stehen und fallen. Und dass Courage zunächst nicht Heldenmut bedeutet, sondern wortwörtlich ,Einsatz des Herzens‘, ergo Empathie.“ beschreibt Festivalleiterin Anna Luca Krassnigg das Spielzeitmotto.

Hofmannsthals ELEKTRA

Wie stets bildet ein klassischer Stoff in einer Destillation der Wortwiege eine Säule des Festivals. Die verfluchte Familie der Atriden bietet seit Jahrtausenden spektakuläre Szenen und Erzählungen. Die Wortwiege fokussiert – nach dem großen Erfolg mit Grillparzers „Medea“ erneut auf die psychoanalytische Variante eines Österreichers: Hugo von Hofmannsthals „Elektra“ ist ein ungeheuerliches und ungeheuer feinsinniges Kammerspiel menschlichen Begehrens und Aufbegehrens. Jedes Mitglied des königlichen Clans ist gleichermaßen beherzt und feige. Ein Familienkrimi, klaftertief ausgeleuchtet von Hofmannsthals Sprachkunst und neu interpretiert vom griechisch-deutschen Regiepoeten Sarantos Georgios Zervoulakos Qualtinger/Merz´

Qualtinger/Merz´ ALLES GERETTET

Am 8.12. 1881 ereignet sich einer der größten Unglücksfälle der Monarchie: Der Ringtheaterbrand kostet offiziell 400, inoffiziell wesentlich mehr Menschen das Leben. 1882 stehen die Verantwortlichen vor Gericht. 1963 wird das Prozessdrama „Alles gerettet“ von Carl Merz und Helmut Qualtinger als TV-Spiel im ORF gesendet. Dann verschwindet der geniale Text, der 40% originales Prozessmaterial und tiefe Einsichten über die menschliche Natur enthält. Tragisch, existenzkomisch, erhellend: Die Wortwiege bringt das verdrängte Meisterwerk, das die Unbegreiflichkeit und dennoch allzu menschliche Unzulänglichkeit im Umgang mit der Katastrophe zeigt, zurück ins Rampenlicht.

PLAY! – Autor:innenfeste in drei Gängen

Vier sehr unterschiedliche, zeitgenössische BühnendichterInnen und ihre Teams zeigen eine facettenreiche Bandbreite ihrer Kunst, die sowohl unserer Wirklichkeit als auch dem Medium Theater gerecht wird: Von stupendem Körper-Theater bis hin zu theatralen Lesungen welthaltiger Stücke und zur Kunst, komplexe Konflikte in federleichte DoppelConférance zu verwandeln, vom Jenseits bis ins Campingzelt, von Paris bis Tel Aviv wird unsere Zeit lebendig und aufregend ins Stück geholt. Die ungewöhnlichen österreichischen Nachwuchsstars Nico Dorigatti und Mario Wurmitzer sowie die preisgekrönte rumänischfranzösische Autorin Alexandra Badea und das umjubelte, aberwitzige israelisch-französischen Duo Ishay/Shaked vereint diese neue Programmschiene, die somit feiern möchte: Das poetische Gegenwartstheater lebt!

REDEN! – Die Verteidigung des Sokrates

SchauspielerInnen beleben bedeutende historische und zeitgenössische Reden neu, ExpertInnen analysieren die Rhetorik und ihre Hintergründe. Die Verteidigungsrede, die sogenannte Apologie des Sokrates in der neuen, glasklaren Übersetzung von Kurt Steinmann wird das Festival in mehrfacher Weise begleiten. Horst Schily spielt den 70-jährigen Angeklagten, sein Cousin Otto Schily, hat in der neuen Prachtausgabe die Rede (Manesse-Verlag) auf ihre zeitgenössische Relevanz hin analysiert.

SALON am Sonntag und SALON danach

Die Form des Salons, der zweifellos etwas genuin Theatrales eignet, zielt auf ein doppeltes Ereignis: das Bühnenerlebnis als Zündfunke, der öffentliche Salon als Ritual, um das Erlebte weiterzuentwickeln. In den Salons des Festivals 2025 bereichern uns heuer Solmaz Khorsand, Paulus Hochgatterer, Heinz Sichrovsky und zahlreiche andere Vor-DenkerInnen – moderiert von Anna Luca Krassnigg, wissenschaftlich und diskursiv begleitet von Wolfgang Müller-Funk.

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