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Museum St. Peter an der Sperr zeigt Werke von Jakob Gasteiger

Wiener Neustadt: neue Ausstellung läuft bis 1. November 2026

Gasteiger / Foto: R. Wehrl
Stadtrat LAbg. Franz Dinhobl, Werner Trenker, Künstler Jakob Gasteiger, Sonja Zsolnai-Kasztler, Museumsleiterin Julia Schlager, Kurator Klaus Albrecht Schröder und Kulturstadtrat Franz Piribauer bei der Eröffnung der Ausstellung im MuseumFoto: R. Wehrl

Das Museum St. Peter an der Sperr der Stadt Wiener Neustadt präsentiert bis 1. November 2026 Werke des Künstlers Jakob Gasteiger aus der Sammlung Werner Trenker und der des Künstlers selbst. Die Ausstellung ist initiiert und organisiert von der Sammlung Werner Trenker und zeigt zwei grundlegende Werkkomplexe Gasteigers. Im Kirchenschiff werden großformatige Einzelwerke gezeigt, im Museum selbst kleinformatige, mehr- und vielteilige Serien. Kuratiert wird die Ausstellung von Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder.

„Ein weiteres kulturelles Highlight erwartet die Besucherinnen und Besucher unserer Stadt: Jakob Gasteiger nimmt im diesjährigen Herbst den Ausstellungsraum des Museum St. Peter an der Sperrs ein und tritt damit in die kulturellen Fußstapfen von namhaften Künstlern wie Hermann Nitsch, Paul Rotterdam und Markus Prachensky. Wir möchten uns an dieser Stelle bei Werner Trenker und Künstler Jakob Gasteiger bedanken, die uns für die kommende Ausstellung die Werke zur Verfügung stellen“, so Bürgermeister Klaus Schneeberger und Kulturstadtrat Franz Piribauer.

„Wir freuen uns sehr mit der Ausstellung ‚Gasteiger‘ die dritte große Ausstellung der Sammlung Werner Trenker im Museum St. Peter an der Sperr zeigen zu können und damit einen weiteren lebhaften kulturellen Impuls der zeitgenössischen Kunst in Österreich in der Region setzten zu können“, so Sammler und Unternehmer Werner Trenker.

Jakob Gasteiger und seine Werke

Der 1953 in Salzburg geborene, in Wien und Niederösterreich tätige Künstler nimmt als einer der bedeutendsten Vertreter des Radical Painting eine einzigartige Stellung in der österreichischen Kunstgeschichte ein. Jakob Gasteigers Kunst verbindet die Strenge der Konzeption mit einer zutiefst sinnlichen Auffassung von Material. Seine Werke stellen die traditionelle Vorstellung von Malerei infrage: Was ist ein Bild?

Diese Objekte öffnen keinen illusionistischen Bildraum, sie erzählen keine Geschichte, geben keine subjektive Befindlichkeit wieder. Sie sind körperlich präsente Objekte im realen Raum: mehr skulpturale Reliefs als Gemälde. Die Ausstellung zeigt eine Malerei jenseits des traditionellen Bildes: eine Malerei zwischen Oberfläche und Relief, zwischen Einzelwerk und dem Prinzip der Serialität, zwischen materieller Gegenwart der Objekte und der räumlichen Erfahrung der Gesamtinstallation.

In der hohen gotischen Kirche des ehemaligen Klosters werden – neben drei Skulpturen – vor allem großformatige Einzelwerke gezeigt: monumentale Tafeln und Scheiben. Deren schiere Dimension erlaubt ihnen, Rhythmus, Tempo und Spannung aus sich selbst heraus zu entwickeln. Als autonome Bild-Objekte treten sie zugleich in einen Dialog mit dem historischen Sakralraum. Im Museum selbst ist den kleinformatigen, mehr- und vielteiligen Serien gewidmet. In ihnen zeigt sich Gasteigers radikaler Werkbegriff besonders deutlich: Das einzelne Modul eines Polyptichons ist Teil einer übergeordneten Gestalt. Erst aus Wiederholung und Abweichung der Oberflächenreliefs, aus den Abständen und Intervallen zwischen den Einzelteilen sowie den horizontalen oder vertikalen Reihungen entsteht das eigentliche Werk. Die Ausstellungswand wird in ihrer Gesamtheit Teil der Komposition. Jakob Gasteiger Serien verwandeln den Raum in einen Resonanzkörper, einen musikalischen Rhythmus, der sich mit größter Intensität dem Sehsinn, unserem Auge, mitteilt.

Werke zwischen Graphik, Malerei und Skulptur

Der Künstler trägt pastos Farbe auf den Bildträger auf und zieht sie mit einer Kammrakel in Wellen, Kurven oder rechtwinkligen Strukturen über die Leinwand, wodurch tiefe Furchen und scharfe Grate entstehen. Pigmente und Beimengungen wie Kupfer oder Glas verleihen den Objekten eine je unterschiedliche Dichte, mannigfaltigen Glanz und Widerstand. Die Langsamkeit oder Dynamik der Kurvaturen, der stete Fluss der Furchen oder das abrupte Abstoppen der scharfen Grate: dies und eine nachtschwarze Monochromie, pastellartige Weichheit oder grelle Neonfarben dominieren die Wirkung der Werke. Das Licht modelliert zusätzlich diese reliefartigen Topographien und lässt sie je nach Blickwinkel immer wieder neu erscheinen. In der Spannung zwischen dem formal äußerst kontrollierten Verfahren einerseits und der haptischen Verführung des Materials liegt die Besonderheit der Kunst des Österreichers: Sie ist antiillusionistisch und anti-expressiv, zugleich aber von großer optischer und taktiler Sinnlichkeit. Das Auge des Betrachters kann gleichsam ertasten, was sich in diesen Objekten an Leben zuträgt.

Ausstellung „Gasteiger“
3. September bis 1. November 2026
Museum St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt

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