„Bie­de­re Zei­ten?“ – neue Aus­stel­lung in Wie­ner Neu­stadt

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Ausstellung "Biedere Zeiten?" / Foto: Stadt Wiener Neustadt/Weller
Leiter des Stadtarchivs Gerhard Geissl, Kulturvermittlerin Julia Schlager, Bürgermeister Klaus Schneeberger, Museumsleiterin Eveline Klein, Sabine Schmitner (Stadtarchiv) und Kulturstadtrat Franz Piribauer.Foto: Stadt Wiener Neustadt/Weller

Por­traits aus dem Bie­der­mei­er im Mu­se­um St. Pe­ter an der Sperr

In einer Zeit, die häufig als „neues Biedermeier“ bezeichnet wird, beschäftigt sich das Museum St. Peter an der Sperr in Wiener Neustadt in seiner neuesten Ausstellung mit dem Biedermeier in der Zeit von 1815 bis 1848.

Die Ausstellung „Biedere Zeiten?“, die am gestrigen 26. Mai eröffnet wurde, zeigt dabei, dass das Biedermeier in Wiener Neustadt so gar nicht bieder, sondern auf vielen Ebenen sehr innovativ war.

Über eine “nicht so beschauliche“ Zeit

„Die Zeit zwischen 1815 und 1848 war in Wiener Neustadt nicht so beschaulich, wie man meinen könnte. Technischer Fortschritt, soziale Umwälzungen, aber auch die Wertschätzung von Vergangenheit und Tradition ergeben ein vielschichtiges Bild der Gesellschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das wir mit der Ausstellung ‚Biedere Zeiten?‘ vor den Vorhang holen wollen. Aussagekräftige Portraits aus der städtischen Sammlung werden gezeigt und die scheinbar biedermeierliche Leichtigkeit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen gegenübergestellt, die von unserer Stadtarchiv-Mitarbeiterin Sabine Schmitner wissenschaftlich bearbeitet wurden“, so Bürgermeister Klaus Schneeberger und Kulturstadtrat Franz Piribauer, „nach einem langen Lockdown können wir – gemeinsam mit der Dauerausstellung ‚neuSTADT erzählen‘ und der Sonderausstellung ‚wir essen die Welt‘ – nun somit drei hochinteressante Ausstellungen in unserem Museum bieten und laden alle Kulturinteressierten herzlich dazu ein.“

Die Ausstellung „Biedere Zeiten?“ ist bis Jänner 2022 im Museum St. Peter an der Sperr zu sehen und jeweils Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Biedermeier in Wiener Neustadt

Fast die Hälfte der Bevölkerung der österreichischen Hälfte der Habsburgermonarchie lebte noch Anfang des 20. Jahrhunderts in Landgemeinden. Nur sieben Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wies die Reichshälfte auf. Anfang des 19. Jahrhunderts war Wiener Neustadt eine der zahlreichen Kleinstädte. Laut dem Autor Aloys Gleich lebten um 1800 6.182 Menschen in der Allzeit Getreuen. Doch Wiener Neustadt sollte keine beschauliche Kleinstadt bleiben, sondern ein Ort, an dem die Moderne früh greifbar wurde. Die einsetzende Industrialisierung veränderte die Stadt: Aus der Fremde kommende Unternehmer etablierten Manufakturen und Fabriken, mit ihnen kamen Arbeitskräfte. Die Stadt wuchs und ihr Sozialprofil nahm urbane Züge an.

Eine Stadt im Wandel

Das sogenannte Biedermeier war in Wiener Neustadt keineswegs beschaulich und ruhig, sondern eine von Widersprüchen gekennzeichnete Zeit. Der städtische Alltag war noch von vormodernen Gepflogenheiten geprägt, doch es kündigte sich die bürgerlich-marktförmige Umgestaltung der Lebensumstände an. Während der Staat seinen Zugriff auf die Bevölkerung ausbaute, prägte der Gestaltungswille des Bürgertums die Stadt und das bürgerliche Heim. Ein schlichter, eleganter Stil, der vom Adel ausging, spiegelte den Einzug der Rationalität in den Alltag ebenso wie den Wunsch nach Behaglichkeit und Harmonie wider.

Militärakademie Wiener Neustadt / Foto: Wiener Alpen/Zwickl

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