Vor 40 Jahren gründete eine Gruppe von Eltern von Kindern aus dem Ambulatorium Wiener Neustadt der VKKJ (Verantwortung und Kompetenz für besondere Kinder und Jugendliche) eine Einrichtung, die Menschen mit Behinderungen auch im Erwachsenenalter eine individuelle Betreuung und ein Leben in Gemeinschaft ermöglichen sollte.
Was 1986 im heutigen Speisesaal der Einrichtung in der Ungargasse 31 begann, hat sich seither zu einem wichtigen Angebot für Menschen mit intellektuellen und mehrfachen Behinderungen entwickelt. Heute werden im Tageszentrum Kreativ 40 Klientinnen und Klienten begleitet. Das 40-jährige Bestehen wurde nun im Rahmen des traditionellen Sommerfestes mit den Mitarbeiter:innen und Klient:innen der Einrichtung gefeiert.
Neben zahlreichen Angehörigen nahmen auch die Nationalratsabgeordnete Kira Grünberg, Vizebürgermeisterin und Gesundheitsstadträtin Erika Buchinger in Vertretung von Bürgermeister Klaus Schneeberger und Heidelinde Crazzolara-Kusstatscher, Bereichsleiterin Jugend und Soziales der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt in Vertretung von Bezirkshauptmann Markus Sauer, an der Feier teil.
Jeder Mensch ist wertvoll
Mit Sabine und Franz waren auch zwei langjährige Klient:innen bei der Jubiläumsfeier anwesend, die das Tageszentrum bereits seit 39 beziehungsweise 38 Jahren besuchen. Dessen Leiterin Claudia Steinschauer betonte: „Wir wollen aus jedem Menschen die Begeisterung herausholen. Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch wertvoll ist.“
VKKJ-Geschäftsführer Andreas Steuer verwies auf die Entwicklung der Einrichtung in den vergangenen Jahrzehnten. 2017 wurde aus dem früheren Tagesheim das heutige Tageszentrum Kreativ. Der neue Name steht für ein Konzept, das von Individualität und Kreativität geprägt ist. „Unser Ziel ist es, auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten jeder einzelnen Klientin und jedes einzelnen Klienten einzugehen. Die offene Atmosphäre und die hohe Professionalität des Teams tragen wesentlich dazu bei, dass sich die Menschen hier wohlfühlen“, so Steuer
VKKJ-Obmann Stefan Stadler hob die Bedeutung der Elternarbeit hervor: „Eltern sind die Expertinnen und Experten für ihre Kinder und deshalb seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Einrichtung. Besonders schätze ich die positive Stimmung, die im Tageszentrum Kreativ spürbar ist.“
Gelebte Inklusion
Nationalratsabgeordnete Kira Grünberg würdigte die gelebte Inklusion: „Ich bin davon überzeugt, dass Menschen mit Behinderungen die besseren Problemlöser sind, weil sie sich jeden Tag neuen Herausforderungen stellen müssen. Gleichzeitig braucht es auch Kreativität und Engagement seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist hier der Fall und ich bin beeindruckt, dass sowohl Klient:innen als auch Beschäftigte der Einrichtung seit vielen Jahren verbunden sind.“
Vizebürgermeisterin Erika Buchinger bedankte sich im Namen der Stadt Wiener Neustadt für die jahrzehntelange Arbeit des Tageszentrums Kreativ. „Die VKKJ leistet einen wichtigen Beitrag für Inklusion und Lebensqualität und ist ein wertvoller Partner für unsere Stadt. Für diese 40-jährige Erfolgsgeschichte braucht es viel Fingerspitzengefühl, aber auch viel Herzenswärme. Es ist ein großartiges Netzwerk, wo viele Menschen gut aufgehoben sind.“
Individuelles Eingehen auf Bedürfnisse
Auch Heidelinde Crazzolara-Kusstatscher betonte die Bedeutung solcher Angebote für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige: „Förderung ist wichtig, aber gerade bei Erwachsenen geht es auch um die Zufriedenheit und das Wohlbefinden. Auch Menschen ohne Behinderung wollen nicht alle gleich behandelt werden. Genau dieses individuelle Eingehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse wird hier im Tageszentrum gelebt.“
KlientInnen und MitarbeiterInnen begeisterten mit Showacts
Bei den anschließenden Darbietungen zeigten Klient:innen und Mitarbeiter:innen gemeinsam ihr kreatives Können. Mit adaptierten Songs und Szenen aus dem Musical „Mamma Mia!“ begeisterten sie die Gäste. Einen besonderen Blick in die Vergangenheit ermöglichten zudem die Erinnerungen der ebenfalls teilnehmenden Maria Singer. 1954 besuchte sie als Schülerin die damalige Haushaltungsschule in der Ungargasse. Ihre Enkelin, die heute im Tageszentrum Kreativ arbeitet, las die Zeilen vor und schlug damit die Brücke zwischen der Geschichte des Hauses und der Gegenwart.
Seit vier Jahrzehnten steht das Tageszentrum Kreativ für individuelle Begleitung, Kreativität und Gemeinschaft. Die familiäre Atmosphäre, die enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen und das langjährige Mitwirken vieler Klient:innen und Mitarbeiter:innen prägen die Einrichtung bis heute.











