Me­di­zi­ner und Wis­sen­schaft­ler Dr. Da­vid Weiss ver­stor­ben

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Dr. David-Weiss / Foto: z.V.g. / Hintergrund: Wolfgang Glock (CC BY-SA 3.0)
Univ-Prof Dr. David Weiss (1980er)Foto: z.V.g. / Hintergrund: Wolfgang Glock (CC BY-SA 3.0)

Da­vid Weiss (1927-2016) – ein Mann der Ver­söh­nun­g zwi­schen Ju­den und Chris­ten

Am 12. Juli 2016 verstarb ein mit der Stadt Wiener Neustadt in besonderer Weise verbundener Mann im Alter von 89 Jahren in Jerusalem: Dr. David Weiss, der Sohn des letzten Oberrabbiners von Wiener Neustadt.

Versöhnung zwischen Juden und Christen

Dr. David Weiss war nicht nur ein hoch gebildeter und bekannter Mediziner und Wissenschaftler, sondern auch ein Mensch, der für die Versöhnung zwischen Juden und Christen in hohem Maße aktiv war. Die 1938 aus Wiener Neustadt vertriebenen Jüdinnen und Juden und ihre Nachkommen sahen in ihm zurecht – als Sohn der letzten rabbinischen Autorität für die israelitische Kultusgemeinde – eine Persönlichkeit, die es vermochte, nach der Zeit des Nationalsozialismus und der Shoah ein Bindeglied für alle Vertriebenen, Überlebenden und deren Kinder und Enkel zu sein.

Zeitzeuge und Brückenbauer

Dr. David Weiss hatte Mitglieder der vernichteten jüdischen Gemeinde von Wiener Neustadt überzeugen können, dass ein Zusammentreffen und ein neues Miteinander möglich ist und hat bis zu seinem Tod nicht nur an die jüdische Bevölkerung von Wiener Neustadt und der Region (als Zeitzeuge) erinnert, sondern Brücken gebaut, interreligiöse Beziehungen gefestigt und mit großer Empathie und Wertschätzung viele freundschaftliche Beziehungen mit Menschen in und um Wiener Neustadt gepflegt. Insofern war er schlichtweg eine Symbolfigur für die Begegnung zwischen Juden und Christen, die interkonfessionelle Verständigung und die Versöhnung.

Stimmen

Historiker Mag. Dr. Werner Sulzgruber: „Ich bin vom Tod Davids getroffen. Er war ein wirklich besonderer Mensch. Ich fühle mich geehrt, ihm begegnet sein zu dürfen, und bin dankbar für seine Freundschaft.“

Bauforscher Dipl.-Ing. Dr. Erwin Reidinger: „Sein erfülltes Leben war gelebter Glaube, sein friedliches Sterben der Weg ins Paradies. Er war mir und meiner Familie ein Vorbild und inniger Freund, der stets hilfsbereit war. Er bleibt uns im Gedächtnis.“

Biografisches

Geboren 1927 als Sohn des letzten Rabbiners der Jüdischen Gemeinde von Wiener Neustadt, flüchtete er 1938 mit seiner Familie aus Österreich. Er studierte in den USA Mikrobiologie und Medizin, heiratete und lebte bis 1965 als Universitätsprofessor in Kalifornien.

Als Mediziner und Wissenschaftler machte er sich international einen Namen. Auf ihn gehen rund 250 wissenschaftliche Arbeiten und Buch-Publikationen zurück, außerdem ist er Autor einer ansehnlichen Zahl von religionswissenschaftlichen Beiträgen und Judaica.

1965 kehrte er von einer Studienreise, die ihn für drei Wochen nach Russland und dann nach Israel geführt hatte, nicht mehr nach Amerika zurück, sondern beschloss mit seiner Frau und den drei Söhnen in Israel zu bleiben. Seine Erinnerungen als Sohn des letzten Oberrabbiners von Wiener Neustadt hielt er in dem Buch „Flucht und Wiederkehr. Die Reise eines Überlebenden nach Österreich“ fest.