Me­dAus­tron: neu­er tech­ni­scher Mei­len­stein er­reicht

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MedAustron Bestrahlungsraum / Foto: MedAustron
Hinter den Kulissen des Bestrahlungsraums – Alfred Zens (Geschäftsführer MedAustron) und Klaus Schneeberger (Aufsichtsratsvorsitzender MedAustron) vor der Protonengantry.Foto: MedAustron

Wie­ner Neu­stadt: Strah­len­the­ra­pie am Weg zum Voll­be­trieb

Dem MedAustron-Team ist es vor kurzem gelungen, den Teilchenstrahl erstmals in den dritten Patientenbehandlungsraum zu bringen. Dieser wichtige Meilenstein bringt das Krebsbehandlungs- und Forschungszentrum wieder einen Schritt näher in Richtung Vollbetrieb.

Die ersten Behandlungen in diesem dritten und letzten Raum sind zu Beginn 2022 vorgesehen.

Die Bestrahlung von KrebspatientInnen erfolgt bei MedAustron derzeit in zwei Räumen. Seit Inbetriebnahme des Zentrums haben darin bereits über 700 Personen ihre Behandlung abgeschlossen. Der dritte Raum wird nicht nur dafür sorgen, dass noch mehr Patient*innen diese Therapieoption zugute kommt, sondern wird auch das Spektrum an behandelbaren Tumorerkrankungen weiter vergrößern.

Tonnenschwere Protonengantry

Das liegt an der besonderen Beschaffenheit des Raums: er ist mit einer sogenannten Gantry ausgestattet – ein Drehgestell, das es ermöglicht, den Strahl um die PatientInnen zu manövrieren. Derzeit ist MedAustron auf die Strahlapplikation aus horizontaler oder vertikaler Richtung beschränkt, was mitunter eine komplizierte Lagerung der PatientInnen erfordert oder in manchen Fällen eine Behandlung unmöglich macht. Dieser Umstand wird mit der Protonengantry deutlich verbessert, weil damit die Bestrahlung aus beliebigen Winkeln erfolgen kann.

Die Gantry selbst ist eine etwa 12 Meter hohe Stahlkonstruktion, die in mehreren Teilen über das Dach in das Zentrum eingehoben und vor Ort fertig montiert wurde. Darauf wurden anschließend Magnete montiert, die den Teilchenstrahl lenken und biegen – der größte davon hat ein Gewicht von 50 Tonnen. Insgesamt müssen 200 Tonnen bewegt werden, um den Strahl um den Patienten oder die Patientin zu steuern. Das geschieht mit einer mechanischen Präzision von 0,3 Millimetern und einer Winkelgenauigkeit von unter 0,1 Grad.

Schneeberger: “Ich gratuliere dem MedAustron Team“

MedAustron Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schneeberger meint anlässlich der jüngsten Fortschritte: „Ich begleite MedAustron schon von Anbeginn, doch die schieren Dimensionen der Technik und das erforderliche Know-how beeindrucken mich immer wieder aufs Neue. Ich gratuliere dem MedAustron Team zu einem weiteren wichtigen Meilenstein und freue mich, dass sukzessive immer mehr Menschen von der einzigartigen Ionentherapie profitieren können. MedAustron ist nicht nur für unsere Stadt und das gesamte Land ein wichtiger Eckpfeiler in der Behandlung und Erforschung von Krebserkrankungen, sondern ein Zentrum, das weltweit essentielle Beiträge im Kampf gegen den Krebs leistet.“

Ausbau Anfang 2022 abgeschlossen

Nun, da der Teilchenstrahl erstmals im Raum gemessen werden konnte, geht es an die nächsten Schritte: PhysikerInnen machen sich an das Feintuning des Strahls, damit später im klinischen Betrieb für jede erdenkliche Anwendung der passende Strahl auf Knopfdruck erzeugt werden kann. In weiterer Folge steht die Simulation der Behandlung am Plan, um zu prüfen, ob auch das Zusammenspiel des Beschleunigers mit allen anderen Systemen im Behandlungsraum funktioniert. Danach werden alle Parameter „eingefroren“ und die Zertifizierung beginnt. Da der gesamte MedAustron-Teilchenbeschleuniger ein zertifiziertes Medizinprodukt ist, muss auch jede Erweiterung eine strenge Prüfung bestehen, bevor sie tatsächlich zur klinischen Anwendung kommen darf. Das wird Anfang 2022 so weit sein. Damit wird der bauliche Ausbau des MedAustron-Zentrums als abgeschlossen gelten.

„Wir sind einerseits nach etwas mehr als dreieinhalb Jahren bereits routiniert im Klinikbetrieb. Andererseits arbeiten wir parallel an der Fertigstellung unseres Zentrums und laufend auch an der Verbesserung unserer Anlage, wo unser Team zum Teil Pionierarbeit leistet. Diese Kombination, gemeinsam mit dem Forschungsbereich, macht MedAustron aus und wird vom Gedanken getragen, uns für unsere PatientInnen weiter zu verbessern. Ich freue mich sehr, dass wir mit unseren Vorhaben gut auf Kurs liegen und dass uns der erste Strahl im dritten Behandlungsraum dem Vollbetrieb weiter näherkommen lässt“, kommentiert MedAustron-Geschäftsführer Alfred Zens den Meilenstein.

Forschungsraum im MedAustron / Foto: Franz Baldauf

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