Gewalt ist ein Problem von Männern, das nur gemeinsam gelöst werden kann

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Gewalt gegen Frauen / Foto: pixabay
(Symbolbild)Foto: pixabay

11 Morde an Frauen 2021 durch ihre Partner oder Expartner

Wiener Neustadt: Der Verein wendepunkt wendet sich mit einer Aussendung an die Öffentlichkeit, bezieht Stellung und fordert Maßnahmen.

“Das Ziel aller Frauenhäuser ist es, dass niemand in unserem Land in Angst leben muss! Wie gerade durch die vielen erschütternden Gewalttaten zu erkennen ist, gibt es noch viel zu tun! Gewalt an Frauen ist kein Frauenproblem, sondern ein tabuisiertes Problem von Männern, dessen Folgen Frauen oft mit dem Leben bezahlen.“, erklärt Elisabeth Cinatl, Geschäftsleiterin des Vereins wendepunkt – Frauenhaus Wiener Neustadt.

Gegen Männergewalt Stellung beziehen

“Daher müssen Männer immer wieder gegen Männergewalt Stellung beziehen. Sie sollen Gespräche über die Veränderung der Rollenbilder anstreben, sie sollen lernen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, … Männer müssen auch mit Gefühlen wie Hilflosigkeit und Machtverlust zurechtkommen, und der Verlust dieser ist anscheinend für Täter nicht zu verkraften. Es tut weh, Macht zu verlieren, aber Gewalt ist als Lösung nicht akzeptiert. Es gibt andere Lösungen! Wir fordern auf, dass soziale, politische, kulturelle und religiöse Gruppen eindeutig Stellung beziehen! Wir appellieren an VertreterInnen von Sport-, Kultur-, Nachbarschaftsvereinen,… macht diese Gewaltbereitschaft zum Thema, schaut nicht weg, nur so kann sich die Gesellschaft ändern!“, heißt es in einer Aussendung der Frauenhäuser NÖ.

Fehlt es an gut geschulten PolizistInnen?

“Die Polizei hat im Bereich häusliche Gewalt neben Opferschutzeinrichtungen wie Frauenhäusern, Frauenberatungsstellen und Gewaltschutzzentren eine wichtige Funktion. Es braucht mehr gut geschulte BeamtInnen, die Gefährlichkeitseinschätzungen öfters einsetzen.“

Das Ziel: Genauere Erhebungen im sozialen Umfeld machen, Informationen zusammenführen und diese analysieren. Es braucht die Möglichkeit, spezielle Maßnahmen einzuleiten, die von einem aufklärenden Gespräch bis zur einer Wegweisung, Kontaktverbot oder einer Inhaftierung reichen können. “Es steht die Frage im Raum, ob noch andere Maßnahmen eingeführt werden könnten, wie die Verwendung von Fußfesseln. Die gefährdete Person könnte eine SMS bekommen, falls sich der Täter ihr nähert. Warum gibt’s das bei uns nicht? Die Erfahrungen in anderen Ländern sind gut.“, so Elisabeth Cinatl.

Die Niederösterreichischen Frauenhäuser treten seit Jahrzehnten immer wieder gegen Gewalt an Frauen und Kindern auf und es ist erschütternd, wie Hass wieder um sich greift, wie er in sozialen Medien überhandnimmt, wie er wieder salonreif gemacht wird, statt gewaltfreie Kommunikation zu erlernen und zu trainieren. Dieser geschürte Hass kennt keine Grenzen, wie durch die erschreckenden Frauenmorde aufgezeigt wird.

Die Forderungen der NÖ Frauenhäuser

Die NÖ Frauenhäuser fordern:

  • Schutzmaßnahmen für gewaltbetroffene Frauen und Kinder, indem Tätermänner zur Verantwortung gezogen werden, sie Konsequenzen ihres Verhaltens zu tragen haben und Antigewalttrainings besuchen müssen.
  • dass sich Männer für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen und sich immer wieder gegen Gewalt engagieren und auftreten
  • dass Frauenhausplätze im ausreichenden Ausmaß zur Verfügung stehen und ausreichend finanziert werden
  • Gewaltpräventionsmaßnamen zu fördern – wie Stopp Projekt, Projekte an Schulen und Aufklärungskampagnen in Medien, Info Kampagnen und das Aufzeichnen von gewaltfreien Problemlösungen
  • Antigewalttrainings
  • Aufstockung der Finanzierung der Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen
  • eine Intensivierung der Schulung von Polizeibeamt*innen zum Thema
  • eine Verstärkung der Vernetzung zwischen den Einrichtungen, sodass eine Möglichkeit gefunden wird, trotz strenger Datenschutzvorgaben sinnvolle Koordinationsgespräche zu führen
  • verbesserte Vertretung bei Gericht – Verfahrenshilfe genügt nicht, wird nicht immer bewilligt und lässt oft trotzdem die Frauen bei Scheidungs- und Obsorge- und Besuchsrechtsverfahren im Stich.
  • einen Unterhalt für die Frauen und Kinder in entsprechendem Ausmaß, dass sie davon ihr Leben bestreiten können, denn zu viele Alleinerzieherinnen leben in Armut.
  • entsprechende Kinderbetreuungseinrichtungen, damit die Berufstätigkeit der Alleinerzieherinnen überhaupt möglich wird.
  • Frauen müssen sich eine Trennung leisten können, ohne in Armut leben zu müssen.

Das bieten die Frauenhäuser

Aufnahme rund um die Uhr, Wohnmöglichkeit bis zu einem Jahr, angstfreie Atmosphäre, Spielraum und pädagogische Angebote für Kinder, Unterstützung bei der Verarbeitung von Gewalterfahrungen für Frauen und Kinder, sowie ambulante und telefonische Beratung. All das bieten Frauenhäuser hilfe- oder schutzsuchenden Frauen.

Die Mitarbeiterinnen unterstützen und beraten in rechtlichen, finanziellen und sozialen und pädagogischen Fragen, sowie bei der Arbeits- und Wohnungssuche und begleiten auf Wunsch bei Gerichts- und Behördenwegen. Mehr Infos unter frauenhaeuser-niederoesterreich.at.

Spannungen in der Familie / Foto: pixabay

Verein wendepunkt: "Wir sind für Frauen erreichbar!"

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