Sym­po­si­on „Nie­der­ös­ter­reich im 19. Jahr­hun­dert“ im Neu­klos­ter

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„Montirung einer Locomotive in der Fabrik zu Wiener Neustadt“, Holzstich 1888 (NÖ Landesbibliothek)

Wie­ner Neu­stadt: 20 Vor­tra­gen­de aus dem In- und Aus­land

Von 1. bis 3. Juli 2019 findet in Kooperation mit der Universität Wien das 39. Symposion des NÖ Instituts für Landeskunde im Bernardisaal des Neuklosters statt.

„Fortschritt! Überall Fortschritt!“, denkt schockiert die Figur des Erzählers in einer Novelle, die Ferdinand von Saar 1896 verfasste. Schon den Zeitgenossen erschien der rasante Wandel aller Lebensbereiche ein markantes Merkmal ihres Jahrhunderts zu sein. Doch dieser Wandel wurde nicht nur in der Metropole Wien sichtbar.

„Beharrung und Wandel“

Das „flache Land“ veränderte sich ebenso: durch Agrar­revolution und Industrialisierung, durch den Ausbau von Verwaltung und Bildungswesen, durch neue Massenparteien und unzählige Vereinsgründungen. Das Symposion greift diese Themen auf, um ein facettenreiches Bild der historischen Entwicklung und der Veränderungen in Niederösterreich zu zeichnen. „Das 19. Jahrhundert konfrontiert uns mit den Dynamiken der Modernisierung, mit neuen Formen von Macht und neuen sozialen Verwerfungen. Es war keine betuliche ‚alte Zeit’, aber ebenso wenig die Ära einer noch unschuldigen Fortschrittsbegeisterung. Neben dem Wandel und gegen ihn gerichtet gab es auch Beharrung“, so Oliver Kühschelm, Dozent am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, der gemeinsam mit Elisabeth Loinig, der Leiterin des NÖ Instituts für Landeskunde, die Tagung konzipierte.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte

Die öffentliche Konferenz versammelt mehr als 20 Vortragende aus dem In- und Ausland und greift zentrale Fragen der regionalgeschichtlichen Forschung auf: Fragen nach der Rolle des Staates, den neuen Strukturen der Verwaltung und der Beteiligung „von unten“, nach wirtschaftlichen Veränderungen, nach den Möglichkeiten zivilgesellschaftlichen Engagements, nach beharrenden Elementen in der städtischen und ländlichen Gesellschaft. Ausgangspunkt ist Niederösterreich, doch Beiträge aus anderen europäischen Regionen werden den Blickwinkel erweitern und Diskussionen in international vergleichender Perspektive eröffnen.

Umfassendes Buchprojekt

Das Symposion findet vor dem Hintergrund eines umfangreichen, am NÖ Institut für Landeskunde laufenden Buchprojektes statt, das die Geschichte Niederösterreichs im langen 19. Jahrhundert von 1780 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in mehr als 50 Einzelbeiträgen darstellen wird. Elisabeth Loinig freut sich, die beiden Bände für das Frühjahr 2020 ankündigen zu können: „Wir werden mit der neuen Publikation auf fast 1500 Seiten regionale Geschichte für ein interessiertes Publikum aufbereiten und Entwicklungslinien nachzeichnen, die über Niederösterreich hinaus wissenschaftliche Relevanz besitzen. Das Symposion bietet jetzt schon die Möglichkeit, einigen Autorinnen und Autoren ‚über die Schulter zu schauen’.“

Für den Abendvortrag am 1. Juli wurde mit Pieter M. Judson (Europäisches Hochschulinstitut Florenz) ein prominenter Gast gewonnen. Mit seinem Buch „Habsburg. Geschichte eines Imperiums. 1740–1918“ (2017) ist er einem breiten Publikum bekannt geworden. Am 2. Juli wird die Keynote von Dirk van Laak (Universität Leipzig) – sein vielbeachtetes Buch „Alles im Fluss“ erschien 2018 – Themen der international besetzten Panels aufgreifen. Eine Führung durch die NÖ Landesausstellung „Welt in Bewegung“ rundet das Programm des Symposions ab.

39. Symposion des NÖ Instituts für Landeskunde
1. bis 3. Juli 2019, Anmeldung und Infos
Bernardisaal im Neukloster, Wiener Neustadt