Startseite Kultur Stadtpark Der „Ruthnerturm“ in Wiener Neustadt bekommt ein neues Zuhause

Der „Ruthnerturm“ in Wiener Neustadt bekommt ein neues Zuhause

Entscheidung gefallen: Turm übersiedelt auf das Schlachthof-Areal

Dieser Artikel wurde vor 7 Jahren veröffentlicht. (Letztes Update vor: 7 Jahren)

Der Ruthnerturm siedelt um / Foto: Wiener Neustadt/Weller
Stadtrat DI Franz Dinhobl, Phönix-Geschäftsführer Robert Brich, Bürgermeister Mag. Klaus Schneeberger, Gemeinderätin Dr. Evamaria Sluka Grabner, Stadtbaudirektor DI Manfred Korzil und Stadtrat a.D. Josef Radislowits präsentieren den neuen Standort auf dem Areal des ehemaligen SchlachthofesFoto: Wiener Neustadt/Weller

Das historisch bedeutsame Ruthner´sche Turmgewächshaus im Wiener Neustädter Stadtpark ist gerettet.

Das gläserne Industriedenkmal stand kurz vor dem Abriss. In den 60er-Jahren auf dem Gelände der alten Stadtgartenverwaltung errichtet, war sein Schicksal im Zuge des geplanten Hotelbaus im Stadtpark lange Zeit ungewiss. Nun wurde ein neuer Platz für den Turm, der einer der Letzten in ganz Österreich ist, gefunden. Er soll demnächst sorgsam abgebaut und im Areal des ehemaligen Schlachthofes bei der Firma Phönix wieder originalgetreu aufgebaut werden.

Einer der letzten Ruthnertürme

Bürgermeister Mag. Klaus Schneeberger: „Für uns war immer klar, dass der Ruthnerturm ob seiner Einzigartigkeit und historischen Bedeutung erhalten werden muss. Offen war bis dato der Standort. Mein Dank gilt Gemeinderätin Dr. Evamaria Sluka Grabner und Stadtrat a.D. Josef Radislowits für die Idee, den Ruthnerturm am Gelände des alten Schlachthofes zu platzieren. Damit bleibt das historische Gewächshaus in Wiener Neustadt. Gleichzeitig werden sich die bei Phönix betreuten Langzeitsarbeitslosen um den Turm dementsprechend kümmern. Damit gibt es mit dieser Entscheidung nur Gewinner und Wiener Neustadt behält ein ganz besonders Alleinstellungsmerkmal.“

Es begann in den 50ern

Entwickelt in den späten 1950ern vom visionären Maschinenbauingenieur Othmar Ruthner aus Wien, war es für die damalige Zeit ein revolutionäres Baukonzept. Der Chef der „Ruthner Industrieanlagen für Pflanzenbau“ wollte, ausgehend von einer geringen Grundfläche, eine möglichst große Nutzfläche für den Anbau gewinnen. Pflanzen sollten in den Glastürmen mit einem Aufzug, vergleichbar mit einem Paternoster, in einem Kreislauf kontinuierlich von unten nach oben bewegt werden. Dabei würden alle Setzlinge die gleichen Bedingungen erhalten und sich so ideal entwickeln können.

Revolution der Landwirtschaft?

Mit diesem Verfahren sollte die Landwirtschaft in die „dritte Dimension“ und in die „Ära der Vollautomation“ katapultiert werden. Es war die Rede von Rekordernten und einem minimalen Aufwand für die Gärtner. Sogar die New York Times berichtete von dem österreichischen Wunderwerk, doch die Euphorie hielt nicht lange an. Die enormen Energiekosten für den Aufzug und die notwendige Luftumwälzung machten die Türme unrentabel und sorgten für das baldige Aus des visionären Konzepts.

Das Wiener Neustädter Exemplar ist mit seinen rund 10 Metern Höhe einer der letzten verbliebenen „Ruthnertürme“. Er wurde in den Jahren 1964/65 erbaut und war bis 2006 in Betrieb. Noch heute ist er voll funktionsfähig und zeugt von einer Ära, die vor allem durch Erfindergeist geprägt war.

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